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Können Hummeln stechen?

Unter den Bestäubern zählt die Hummel zu den sozialen und friedliebenden Tieren. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die pelzigen Tierchen auch stechen können. Hartnäckig hält sich ein weit verbreitetes Gerücht in dieser Frage.

Wenn es im Garten endlich wieder summt und brummt, kann es gut sein, dass die ein oder andere Hummel an einem vorbeischwirrt. Die gelb-schwarzen Bestäuber im Pelzmantel gehören zu den Wildbienen und sind äußert friedliebende Tierchen. Sie sind alles andere als empfindlich, wenn es um Temperaturen geht und fliegen sogar bei Regen und Kälte - im Gegensatz zur Honigbiene. „So bestäuben sie sehr viel mehr Blütenpflanzen“, betont Christian Bourgeois, Initiator des Bienenretter-Projektes. Doch auch sie sind vor dem Aussterben bedroht. Von den 36 verschiedenen Arten in Deutschland stehen bereits 16 auf der Roten Liste, in manchen Regionen sind bereits ein paar Hummelarten ausgestorben. „Nur noch sechs bis sieben Arten kommen wirklich häufig vor“, bedauert Bourgeois.

 

 

Erdhummel im Lavendel
Nur sechsarten Hummelarten kommen häufig vor.

Hummelnest
Hummelnest - ein selten gewordener Anblick

Die industrielle Landwirtschaft und monotone Gärten führen zum Rückgang von Nahrung und Lebensraum der pelzigen Bestäuber. Dabei kann man ihnen leicht helfen. Besonders gerne haben Hummeln die Dunkle Blaunessel, den Bienenfreund, der auch als Büschelschön und Phacelia bekannt ist, sowie den Natternkopf, eine Weide oder Malvengewächse wie der Echte Eibisch. „Aber auch Zierarten wie Azaleen, Löwenmäulchen und Sonnenbraut (Helenium) mögen sie oder Kräuter wie Oregano und Borretsch“, ergänzt Bourgeois. Möchte man den Hummeln im Rasen einen Gefallen tun, lässt man vor allem Taubnessel, die ausschließlich von langrüsseligen Hummelarten bestäubt werden, und Rotklee wachsen und blühen. „Für den Spätsommer eignen sich vor allem pollenreiche Sonnenblumenarten und Lavendel“, erklärt der Bienenretter.


Im Gegensatz zu den Einzelgängern anderer Wildbienenarten leben Hummeln in sozialen Gemeinschaften. „Ein Hummelvolk ist ähnlich aufgebaut wie das der Bienen“, erklärt Bourgeois. Je nach Art zählt es zwischen 50 und 600 Tiere, die weiblichen Arbeiterinnen sowie die männlichen Drohnen sind der Königin und den Jungköniginnen unterlegen. Für gewöhnlich überlebt das Volk nur einen Sommer. „Nur die begatteten Jungköniginnen, die auch nach September noch am Leben sind, überwintern“, erklärt Bourgeois. Im Frühjahr, etwa im März, erwachen diese aus dem Winterquartier - sie sind jetzt auf sich allein gestellt und müssen sich um einen neuen Nistplatz kümmern.

 

 

Ackerhummel mit Taubnessel
Unzertrennlich: Taubnessel und Akcerhummel

Hummel im Rotklee
Blüht der Rotklee im Sommer? Vorsicht beim Barfußlaufen durch die Wiese.

Doch eine Frage stellt sich immer wieder: Können Hummeln eigentlich stechen? Ja, die weiblichen, wenn sie sich bedroht fühlen. „Dass Hummeln nicht stechen können, ist ein weit verbreitetes Gerücht“, erklärt Bourgeois. Tritt man aus Versehen auf eine Hummel drauf oder hält sie fest, kann es schon mal zu einem Stich kommen. Der Stachel der Arbeiterinnen dient nur zur Verteidigung und ist deshalb nur schwach ausgebildet. „Hummeln warnen zuvor mit einem lauten Brummen oder mit Beißen“, verrät der Bienenexperte. Die Hummeln sind zu schwach um selbst den Stachel in die menschliche Haut zu stoßen. Im Gegensatz zu den Honigbienen hat er keinen Widerhaken und bleibt so auch nicht stecken. Somit muss die Hummel auch nicht sterben. „Das Hummelgift kann aber trotzdem schmerzhaft sein“, erklärt Bourgeois. Hierbei hilft Kühlen oder eine Anti-Histamin-Salbe. Das Fazit: Hummeln können stechen, tun dies aber nur im aller äußersten Notfall.

 

 


(Artikel: Elisa Kautzky)