Wildbienen - die kleinen Helfer die Großes leisten

Viele kennen die Leistungen der Honigbienen als Bestäuber in der Natur und im Obst- & Gemüseanbau.Die Bedeutung der Wildbienen als Bestäuber wurde lange unterschätzt. Viele fliegen noch, wenn es den Honigbienen noch zu kalt oder zu nass ist. Mauerbienen bestäuben z.B. um ein vielfaches effizienter als die Honigbienen. Durch ihre Spezialisierung bestäuben Wildbienen Pflanzen, die die Honigbienen aufgrund ihres Körperbaus nicht bestäuben können oder links liegen lassen.

 

Warum geht es den Wildbienen so schlecht?

  • Nistmöglichkeiten werden immer seltener, da Flächen versiegelt und typische Nistorte wie Totholz aus Gärten und Wäldern entfernt werden.
  • Arten leiden unter den negativen Auswirkungen von Monokulturen in der Landwirtschaft. In den letzten Jahren ist das Nahrungsangebot auf Feldern und in Gärten zurückgegangen.
  • „Pflanzenschutzmittel“, also Pestizide, wirken nicht nur auf Schädlinge, sondern sind tödlich für Bienen, stören ihre Orientierung oder schwächen ihr Immunsystem.
  • Auf der Roten Liste stehen rund 300 von 560 Wildbienenarten in Deutschland.

Hautflügler

Bienen, Wespen und Ameisen gehören zu den Hautflüglern. Ihnen kommt eine überragende Schlüsselfunktion in fast allen Ökosysteme zu. Diese Insektenordung enthält mehr als doppelt so viele Arten wie alle Wirbeltiere zusammen. Allerdings stehen viele Hautflüglerarten am Rande des Aussterbens!

Artenvielfalt

Zu den Wildbienen gehören kleine Arten von gerade mal 5 mm Größe bis zu den 3 cm großen Holzbienen und Hummeln weltweit sind es 20.000 Arten. Viele sehen der Honigbiene zum Verwechseln ähnlich. Typisch für Bienen ist eine pelzige Behaarung. Am Bauch oder an den Beinen tragen sie den Pollen, das unterscheidet sie von den Wespen.

Keine Panik

Die alleinlebenden Wildbienenarten können uns nicht stechen. Denn nur die soziallebenden Hummeln vierteiligen ihr Nest gegen Störenfriede. Dennoch sind sie sehr friedliebend. Also Ruhe bewahren, hektische Bewegungen vermeiden und nicht panisch nach den Tieren schlagen. Wildbienen lassen sich hervorragend zusammen mit Kindern beobachten.



Wo leben und nisten Wildbienen?

Lebensraum

Da sich die Lebensräume Wiese, Waldrand und Sand-/Kiesgruben der Wildbienen unterscheiden, sind nicht überall die gleichen Arten anzutreffen. Für einen Lebensraum muss ein artspezifischer Nistplatz und Nahrungspflanzen in ausreichender Menge vorhanden sein. Die meisten Arten benötigen zusätzlich Baumaterial für die Brutzellen wie feuchte Erde oder Pflanzenwolle. Der Flugradius von Wildbienen beträgt je nach Art nur 50 bis 300m daher sind sie auf standorttreue Blühpflanzen in der Nähe angewiesen.

Totholz

Die meisten Mauerbienen-, Maskenbienen- und Löcherbienenarten, die in Hohlräumen nisten, bohren nicht selbst. Sie beziehen bereits vorhandene Nistgänge, in denen sie ihre Brutzellen bauen. Diese Nistgänge sind Fraßgänge von bestimmten Käferarten. Holzbienen nagen ihre Nistgänge gerne selbst in mürbes Totholz oder in markhaltige Stängel. In unseren aufgeräumten Wäldern und Landschaften gibt es kaum noch Totholz und somit fehlen diese Nistplätze.

Bodenbrüter

Kaum jemand denk bei Wildbienen an bodenbrütende Arten, dabei sind sie in Deutschland sehr zahlreich. Sand- und Furchenbienenarten nisten

in lockeren Sandböden, festgefahrenem Boden von Feldwegen oder Böschungen von Sand-/Kiesgruben. Pelz- und Seidenbienenarten präferieren senkrechte Abbruchkanten, Uferböschungen und Lösswände. In Erdspalten, Trockenmauern und Steinhaufen nisten häufig auch Wollbienen und Blattschneiderbienen.


Lebenszyklus einer Solitärbiene

Typischerweise sucht sich das weibliche Biene einen geeigneten Nistplazt. Sie legt ein Ei und trägt Pollen und Nektar als Futtervorrat in eine Brutzelle. Je nach Art wird diese mit Baumaterial geschlossen und es folgt die nächste Brutzelle und so weiter. Der Futtervorrat reicht für die gesamte fast elfmonatige Entwicklung vom Ei über die Larve bis zur fertigen Biene.

  1. Aus dem Ei schlüpft nach einigen Tagen die Larve.
  2. Die Larve wächst in 2 bis 4 Wochen zur Puppe heran.
  3. Im Puppenstadium überwittert sie in einer Art Kokon.
  4. Im Kokon erfolgt die Metamorphose zur fertigen Biene.

Bereits beim Schlüpfen der Weibchen warten die vorher geschlüpfen Männchen, um diese zu begatten. Wildbienen leben ca. 3 bis 6 Wochen und sterben bevor ihre Nachkommen schlüpfen.


Die 4 größten Irrtümer über Wildbienenhotels:

Die Bezeichnung 'Wildbienenhotel' ist etwas irreführend, denn es geht nicht um die kurzfristige Übernachtung, sondern eher um die langfriste Besiedelung. Daher ist der Begriff 'Nisthilfe' aus der Sicht von Biologen passender. Leider entsprechen viele käufliche Wildbienenhäuser eher der Ästhetik ihrerer Käufer als den Qualitätsansprüchen ihrer Bewohner. Immer noch gibt es viel zu viele Irrtümer beim Aufbau von Nisthilfen, die vier wichtigsten haben wir hier beschrieben:

Nadelholz

Bei Nadelhölzern (z.B. Fichte, Tanne, Kiefer) stellen sich die Holzfasern wieder auf und verletzen so die Flügel der Bienen. Der sichere Tod für sie. Heimische Laubhölzer (z.B. Erle, Esche, Buche) mit  glattgeschliffen Bohrlöchern (Durchmesser 3 - 8 mm, Tiefe: 5 - 10 cm) lieben Bienen.

Baumscheiben

Nicht ins Stirnholz oder in Baumscheiben bohren. Die Kappilaren nehmen Feutigkeit auf und lassen das Holz reißen. Zu viele Bohrlöcher haben den gleichen Effekt. Die Löcher werden dann nicht angenommen oder Parasiten gelangen durch die Risse in die Brutzellen der Larven. 

Hohlziegel

Die Öffnungen von Loch- oder Hohlziegeln, wie sie beim Hausbau gibt, sind viel zu groß und ohne Rückenwand.Auch Gasbeton (Ytong) ist als Nisthilfe völlig ungeeignet. Nur Strangfalz-Dachziegel wie sie früher benutzt wurden, eignen sich dank ihrer kleinen Löcher.

Scharfkantige Röhren

In vielen käuflichen Bienenhotels befinden sich Bambus- oder Schilfröhren, die zerquescht, nicht sauber ausgehöhlt oder franselig geschnitten sind. Sie werden dann von Bienen aufgrund der scharfkantigen Fasern nicht besiedelt. Markhaltige Stängel werden jedoch geschätzt.


Aus unseren Erfahrungen haben wir zusammen mit einem Biologen modulare Nisthilfen entwickelt: