Biene ist nicht gleich Biene: Während Honigbienen und Hummeln in Völkern zusammenleben, sind die meisten Wildbienen sogenannte Solitärbienen. Aber was genau unterscheidet diese beiden Lebensweisen?

Völkerbildende Bienen - die Sozialen Bienen
Zu den völkerbildenden Arten zählen vor allem Honigbienen und Hummeln - also Bienen, die dir sicher schon im Alltag begegnet sind. Sie leben in organisierten Staaten, fast wie bei uns Menschen. “Das heißt, dass jede Biene eine feste Aufgabe hat, sozusagen einen Job”, sagt Christian Bourgeois, Initiator der Bienenretter-Initiative. “Imker reden statt von einem Honigbienenvolk oft vom Bien und meinen damit einen eigenen Organismus, der nur in seiner Gesamtheit überlebensfähig ist.
- Die Königin legt die Eier und sorgt so für den Fortbestand des Volkes. Sie hält das Volk durch ihren Geruch zusammen. Sollte sie ihren Ort wechseln, folgen ihr die anderen Bienen.
- Die Arbeiterinnen sammeln Nektar und Pollen, bauen Waben, pflegen die Brut und verteidigen das Nest. Honigbienen-Arbeiterinnen durchlaufen gar eine Jobkarriere mit unterschiedlichen Aufgaben je nach Alter. Sie arbeiten jeden Tag sprichwörtlich fleißig.
- Die Drohnen sind ausschließlich für die Verbreitung des Erbmaterials durch Begattung fremder Königinnen zuständig.
Durch diese Arbeitsteilung arbeitet das Volk effektiv und kann erst jede Menge Nahrung sammeln und Honig für den Winter herstellen. Aber Achtung: Anders als bei Honigbienen lebt ein Hummelvolk nur eine Saison lang. Im Herbst sterben die meisten Arbeiterinnen und Drohnen, nur die Jungköniginnen überwintern, um im nächsten Frühjahr neue Völker zu gründen.
Machen Hummeln auch Honig?

“Ja, allerdings nur in geringen Mengen, um das Volk kurzfristig zu versorgen. Dieser Honig ist also kein Wintervorrat.”, sagt Bourgeois.
Für so eine Leistung und Teamarbeit braucht es - wie bei uns Menschen - eine gute Kommunikation. Mit Pheromonen also Duftstoffen bzw. dem berühmten “Schwänzeltanz” koordinieren Honigbienen, wo es z.B. Nahrung zu finden gibt.
Solitäre Bienen - Die Einzelgänger
Ganz anders leben die Solitärbienen. Sie machen sogar den Großteil unserer Wildbienenarten aus und haben weder Staat, noch Königin. Jedes Weibchen oder Pärchen ist für alles selbst verantwortlich. Die Weibchen suchen einen geeigneten Nistplatz, bauen Brutzellen und legen darin die Eier ab. Jede Zelle wird mit einem Vorrat aus Nektar und Pollen gefüllt, damit die schlüpfende Larve genügend Nahrung hat. Einige Männchen patrouillieren vor dem Nest.
Das Weibchen stirbt meist schon, bevor ihre Nachkommen das Nest verlassen. Es gibt aber auch Arten, die erst später sterben. “Dennoch unterscheiden sich Solitärbienen hierbei deutlich von völkerbildenden Arten, die über Generationen hinweg ein stabiles Volk bilden”, sagt Bourgeois. Es gibt aber auch kommunal lebende Solitärbienen, die beispielsweise unterirdisch einen Tunnel graben und gemeinsam bzw. nebeneinander nisten - wie eine gute Nachbarschaft.
Warum brauchen wir alle Bienen?
Für ein gesundes Ökosystem und eine Ernährungssicherheit braucht es sowohl solitäre als auch völkerbildende Arten. Während Honigbienen und Hummeln durch ihre großen Völker vor allem Kulturpflanzen bestäuben, sind Wildbienen oft effizienter und auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert. “Manche Pflanzenarten würde es ohne ihre Bestäubungsleistung nicht mehr geben”, sagt Bourgeois.
Wie können wir alle Bienen unterstützen?
Alle Bienen sind auf ein alljährliches, reichhaltiges Blütenangebot angewiesen. Zudem helfen Nisthilfen, offene Sandflächen und eine vielfältige Bepflanzung Wildbienen bei der Suche nach einem Lebensraum.

Frühblüher wie Krokusse helfen gerade den staatenbildenden Arten, nach dem Winter wieder Kraft zu tanken, da das Nahrungsangebot für Bienen zu dem Zeitpunkt noch sehr knapp ist. Nach dem Winter sind die Bienen oft geschwächt und benötigen dringend Energie in Form von Nektar. Der Blütennektar der Krokusse gibt ihnen die notwendige Energie, um wieder aktiv zu werden. “Die Versorgung durch Pollen der Frühblüher unterstützt die Königin bei der Eiablage und der Aufzucht, was für den Fortbestand des Bienenvolkes entscheidend ist”, sagt Bourgeois.
Artikel: Elisa Kautzky



