Bienen leisten jeden Sommertag Höchstarbeit. Sie sammeln Wasser, kühlen ihren Stock und versorgen gleichzeitig ihre Brut. So kannst du sie dabei unterstützen.
Nicht nur wir Menschen leiden unter den heißen Temperaturen, auch für Bienen sind die Sommermonate eine Herausforderung. Der Klimawandel und die einhergehenden Wetterextreme setzen Bienen zusätzlich unter Druck. “Während wir in der Hitze Schatten oder eine Abkühlung suchen, arbeiten Honigbienen unermüdlich daran, ihr Zuhause auf einer konstanten Temperatur zu halten”, erklärt Christian Bourgeois, Initiator von Bienenretter.
Wildbienen haben mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen, können sich aber nicht auf ein großes Volk verlassen. Die meisten der rund 600 Wildbienenarten in Deutschland leben solitär, das heißt, sie müssen Nahrung, Wasser und ihren Nachwuchs allein versorgen.

Gleichzeitig wird das Nahrungsangebot im Sommer vielerorts knapper. Trockenheit und Hitzewellen erschweren die Wasserversorgung, Temperaturschwankungen beeinflussen die Blühzeiten - die Natur gerät durcheinander. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du Bienen in den heißen Monaten unterstützen.
Was machen Honigbienen bei der Sommerhitze?

Honigbienen versuchen, die konstante Temperatur von etwa 35 Grad im Stock zu halten, damit sich Eier, Larven und Puppen optimal entwickeln können. Steigen die Außentemperaturen zu stark an, wird die hauseigene Bienen-Klimaanlage aktiv: “Dafür sammeln die Arbeiterinnen Wasser und geben feine Tropfen auf die Waben ab. Andere Bienen erzeugen mit schnellen Flügelschlägen einen Luftstrom. Durch die Verdunstung des Wassers entsteht Verdunstungskälte, die das Brutnest kühlt”, erklärt Bourgeois. Andere Bienen bleiben in der Hitze lieber draußen im Schatten, um nicht zu überhitzen.
Warum sind Hitzewellen für Bienen so gefährlich?
Immer häufigere Hitzewellen und längere Trockenperioden setzen Honig- und Wildbienen unter Druck. Wasserquellen trocknen aus und viele Pflanzen verblühen. Gleichzeitig benötigen die Völker mehr Wasser als sonst, um den Stock zu kühlen. Wenn das Wachs schmilzt, kann das zu einem Zusammenbruch der Waben führen.
Besonders junge Drohnen reagieren empfindlich auf starke Hitze, was sich auf ihre Entwicklung und Fruchtbarkeit auswirken kann. Für Wildbienen und Hummeln bedeuten heiße Sommer auch den Rückgang geeigneter Nist- und Nahrungsplätze.
Können Bienen einen Sonnenbrand bekommen?
“Nein, Bienen bekommen keinen Sonnenbrand, denn sie haben keine Haut”, sagt Bourgeois mit einem Lächeln. Das Außenskelett der Honigbiene, die Körperhülle, besteht aus Chitin und schützt sie vor UV-Strahlen. Dennoch ist die Hitze eine Gefahr für Bienen. Die Abkühlungsstrategien benötigen extrem viel Energie, die dann eventuell später für andere Tätigkeiten fehlt.


So kannst du Bienen im Sommer helfen
1. Eine Bienentränke aufstellen
Wasser ist im Sommer überlebenswichtig - auch für Tiere und Insekten. Mit einer einfachen Tränke im Garten oder auf dem Balkon kannst du Honig-, Wildbienen und auch Vögel unterstützen.
So gelingt es:
● eine flache Schale oder Untersetzer mit Wasser füllen
● Steine, Moos, Korken oder Holzstücke als sichere Landeplätze für Bienen hineinlegen
● die Tränke an einen sonnigen, ruhigen Ort stellen
● Wasser regelmäßig erneuern
Wichtig: Haben Bienen eine Wasserquelle entdeckt, fliegen sie diese zuverlässig an. Deshalb sollte die Tränke möglichst dauerhaft verfügbar sein.

2. Eine Bienenweide für das ganze Jahr
Viele Gärten bieten im Frühjahr reichlich Nahrung, im Hochsommer dagegen entstehen oft sogenannte Trachtlücken. Mit einer abwechslungsreichen Pflanzenauswahl finden Bienen während der gesamten Saison ausreichend Nektar und Pollen. Geeignete Sommer- und Spätblüher sind beispielsweise:
● Lavendel
● Phacelia (Bienenfreund)
● Borretsch
● Sonnenblumen
● Thymian
● Oregano
● Fetthenne
● Efeu als wichtige Spättracht im Herbst
Achte beim Pflanzenkauf möglichst auf ungefüllte Blüten, also mit ausreichend Nektar und Pollen. Oder pflanze einfach gleich eine Wildblumenwiese, die das ganze Jahr über blüht. Schau dich doch mal bei unseren Blühmischungen um. Wenn es trocken wird, solltest du Blumen gießen, denn nur wenn sie genügend Wasser haben, können sie auch Nektar bilden.
3. Frühblüher nicht vergessen
Bienenhilfe beginnt bereits im Herbst, wenn Frühblüher gepflanzt werden. Frühblüher liefern den ersten Pollen des Jahres und stärken die Völker nach dem Winter. Je mehr Energievorrat die Bienen im Frühjahr haben, desto mehr Energie haben sie zum Abkühlen im Sommer. Besonders geeignet sind:
● Krokusse
● Schneeglöckchen
● Winterlinge
● Traubenhyazinthen
● Wildtulpen
● Salweide
4. Erschöpfte Bienen am Boden retten
An heißen Tagen sitzen Bienen manchmal scheinbar regungslos auf Wegen oder Terrassen. Häufig sind sie einfach erschöpft oder überhitzt. Setze die Biene vorsichtig auf eine Blüte oder in den Schatten. Befindet sich eine Bienentränke in der Nähe, findet sie meist selbst wieder zu Kräften. Aber keine Sorge: Nicht jede Biene muss gerettet werden – ältere Sammelbienen sterben am Ende ihres Lebens oft außerhalb des Stocks. Die Drohnen werden sogar im August von den Arbeiterinnen rausgeworfen, das ist ein natürliches Verhalten, um das Volk überlebensfähig zu halten.

5. Auf Pestizide verzichten
Chemische Pflanzenschutzmittel schaden nicht nur Schädlingen, sondern häufig auch Bienen und anderen Bestäubern.
Deshalb gilt:
● auf chemische Insektizide verzichten
● biologische Schädlingsbekämpfung bevorzugen
● natürliche Dünger verwenden
● blühende Pflanzen niemals mit bienengefährlichen Mitteln behandeln
Ein naturnaher Garten bietet Insekten deutlich bessere Lebensbedingungen.
6. Saisonale Bio-Lebensmittel aus der Region kaufen
Auch unser Einkaufsverhalten kann Bienen helfen. Der ökologische Landbau verzichtet weitgehend auf synthetische Pestizide und schafft oft vielfältigere Lebensräume mit mehr Blühpflanzen. Wer regelmäßig Bio-Produkte kauft, unterstützt eine Landwirtschaft, die Bestäuber stärker berücksichtigt.
Was machen Imkerinnen und Imker im Sommer?
Für Imkerinnen und Imker ist der Sommer eine arbeitsreiche Zeit des Jahres. Nach Sommersonnenwende und Honigernte beginnt bereits die Vorbereitung auf den Winter:
● Gegen Varroamilbe behandeln: Ende Juli, August oder September sind für die Bekämpfung der Varroamilbe entscheidend und die Behandlung sorgt für gesunde Winterbienen.
● Flugloch anpassen: Das Flugloch sollte der Volksstärke angepasst sein, damit das Volk sein Stockklima optimal regulieren und sich gegen Eindringlinge verteidigen kann.
● Nicht vorschnell öffnen: Auch wenn es heiß ist, sollte die Beute nicht unnötig geöffnet werden. Jede Störung erschwert den Bienen die Klimaregulierung.
● Auffüttern, wenn nötig: Nach der Honigernte benötigen die Völker genügend Futtervorräte für den Winter, das kann nötig werden, wenn Nektarquellen z.B. durch Hitze versiegen.
Fazit
Mit einer Bienentränke, einer abwechslungsreichen Bienenweide, dem Verzicht auf Pestizide und einer naturnahen Gartengestaltung kann jeder dazu beitragen, Honigbienen, Wildbienen und andere Bestäuber sicher durch den Sommer zu bringen. Schon wenige Quadratmeter Blühfläche oder eine kleine Wasserstelle können einen wichtigen Unterschied machen.
Artikel: Elisa Kautzky



