Der Krähenfuß-Wegerich wurde vom Bochumer Botanischen Verein zur Stadtpflanze des Jahres 2026 gewählt.

Ziegenbart, Mönchsbart, Hirschhorn-Wegerich, Schlitz-Wegerich - der Krähenfuß-Wegerich (Plantago coronopus) hat viele Namen.
Wie sieht der Krähenfuß-Wegerich aus?
Du erkennst den Krähenfuß-Wegerich an der Rosette aus abstehenden Laubblättern, die dicht am Boden liegen. Aus der Rosette wachsen ein langer, blattloser Stängel sowie mehrere Blütenstände mit zahlreichen weißlichen-braunen Einzelblüten. Sie gleichen einer Ähre. Die Pflanzen werden bis zu 25 Zentimeter groß, je nach Standort auch weniger. Auf den ersten Blick sieht das Kraut aus wie ein abgespeckter Löwenzahn oder wie eine große Sukkulente.
Woher kommt der Name Krähenfuß-Wegerich?
Mit etwas Fantasie erkennt man an den Blättern den Fuß einer Krähe. Auch der wissenschaftliche Artname setzt sich aus den griechischen Wörtern korone (= Krähe) und pous
(= Fuß) zusammen. Der Gattungsname Plantago wird abgeleitet von lat. planta = Fußsohle.

“Das liegt daran, dass viele Arten dieser Gattung durch Tritt verbreitet werden”, erklärt Christian Bourgeois, Initiator der Bienenretter-Initiative.
Was ist die Stadtpflanze des Jahres 2026?
Der Krähenfuß-Wegerich wurde zur Stadtpflanze des Jahres 2026 gewählt. Seit 2017 ernennt der Bochumer Botanische Verein die sogenannte Stadtpflanze des Jahres. Damit ist sie Bestandteil in der Auflistung der Natur des Jahres. „Dabei handelt es sich häufig um Arten, die an ihren ursprünglichen Naturstandorten selten geworden oder bedroht sind und in Städten einen Ersatzlebensraum finden”, erklärt Bourgeois.
Ist der Krähenfuß-Wegerich eine einheimische Art?
Der Krähenfuß-Wegerich ist eine in Deutschland einheimische Art, die laut dem Bochumer Botanischen Verein “zurzeit eine Standorterweiterung in städtische Lebensräume vollzieht”. Das zeigt, welchen Einfluss ein urbaner Lebensraum auf die Verbreitung von Arten haben kann.
Ist der Krähenfuß-Wegerich bienenfreundlich?
Als einheimische Art lockt der Krähenfuß-Wegerich zahlreiche Insekten an. Seine Staubblätter und Griffel ragen weit aus der Krone heraus und laden Bestäuber von Juni bis September ein, seine Blüten zu verkosten. “Auch wenn das Kraut hauptsächlich windbestäubt wird, stellen seine Blüten Pollen bereit”, betont Bourgeois. Insbesondere kurzrüsselige Bienen, Schwebfliegen, Käfer oder Fliegen freuen sich darüber.
Wo wächst der Krähenfuß-Wegerich?
Der Krähenfuß-Wegerich kommt in Europa bis Westasien vor, insbesondere im ozeanischen Raum. In Europa findet man ihn an den Küsten des Mittelmeerraumes, des Nordost-Atlantiks und der Nord- und Ostsee. In Deutschland wächst der Krähenfuß-Wegerich vor allem an der Nordseeküste, an der Ostsee eher seltener. “Das Kraut mag feuchte bis wechselfeuchte und offene Standorte wie Salzwiesen oder -weiden. Mit salzigen Böden kommt es deshalb gut klar”, sagt Bourgeois.
So übersteht es auch extreme Standortbedinungen wie hohe Salzkonzentrationen, aber auch Staunässe oder extreme Trockenheit. Ein wahres Kraut, das für die Challenges dieser Zeiten gewappnet ist. In den 80ern galt das Kraut noch als “urbanophob”, vermied also Städte. Mittlerweile wächst es auch in Städten, insbesondere seit 2020 wird es immer öfter gemeldet, auch in Siedlungsbereichen wie in Pflasterfugen in Garageneinfahrten, Gehwegen und auf Plätzen.
Warum wächst der Krähenfuß-Wegerich auch in Städten?
Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. “Ökologisch betrachtet, dürfte die lineare Ausbreitung über Straßen und Eisenbahnen eine Rolle spielen. Dies geschieht in Zusammenhang mit Streusalzeinfluss, aber auch durch Verschleppung der
Samen mit Autoreifen, durch Eisenbahnwaggons oder Wasserabfluss. (...) Die während der Pandemie auferlegten Reiseeinschränkungen bewegten
Botanikerinnen und Botaniker dazu, ihr eigenes Wohnumfeld zu kartieren, was beim Bochumer Botanischen Verein zu einem bemerkenswerten und sprunghaften Anstieg der Fundmeldungen führte”, schreibt der Bochumer Botanische Verein. So oder so - die Stadtinsekten freuen sich!
Text: Elisa Kautzky
Zur Pflanze des Monats: Jeden Monat stellen wir euch eine Blühpflanze vor, die typisch für die Zeit ist und von der ihr vielleicht gar nicht wusstet, wie viel sie - gerade Insekten - zu bieten hat.



